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Rote Karte bekommt einen Bruder PDF  | Drucken |
Neue Regeln im Handball für neue Referees / Arglist soll künftig auch bestraft werden.

HANDBALL. An den Würstchenbuden auf dem Münsterplatz ist beim Bestellen einer Langen Roten die Frage des Personals, ob mit oder ohne (Zwiebeln), obligatorisch. Nach einer neuen Regel des Deutschen Handball Bundes wird sie demnächst auch in den Handballhallen gestellt werden. Nur dürfte sie da zu noch mehr aufwallender Hitze führen als hinterm Grill üblich.

30 Schiedsrichteranwärter aus 13 Vereinen und damit so viel wie seit zehn Jahren nicht mehr besuchten den diesjährigen Neulingslehrgang, bei dem das Dozententeam um Schiedsrichter-Lehrwart Dirk Baustert den Anfängern das neue Regelwerk auch anhand von Videos und Bildern beibrachte. "Der große Andrang geht sicher zurück auf unsere ebenfalls sehr gut besuchten Info-Stände im Jahr des Schiedsrichters", sagt Roland Brodbeck, Schiedsrichterwart im neuen Bezirk Freiburg-Oberrhein.

Besonders freut er sich über zehn Anwärter von Vereinen aus dem alten Bezirk Oberrhein, "das hat es schon lange nicht mehr gegeben, das ist ein positives Signal, dass die Vereine auf den Schiedsrichtermangel reagiert haben. Das beste Ergebnis beim DBH-Regeltest erzielte Christoph Gress vom TuS Ringsheim. Wie in der Vergangenheit werden die Neulinge auch in der kommenden Spielzeit bei ihren ersten Einsätzen von Paten begleitet.

Die können dann gleich auch beobachten, wie die Frischlinge die neuen Regeln anwenden, die auch im Zentrum des ersten Tageslehrgangs standen, zu dem weitere 52 von insgesamt 90 bereits etablierten Schiedsrichtern kamen.

Markanteste Änderung: Der DHB hat den Ausschluss abgeschafft, der nicht nur zu einer Sperre führte, sondern bis zum Spielende auch Unterzahl bedeutete. Dafür gibt es ab sofort zwei Sorten von Roten Karten: eine mit und eine ohne Bericht. Die Rote mit – die eine mindestens 14-tägige Sperre nach sich zieht – gibt es etwa, wenn besonders aggressiv oder arglistig gefoult wird und zwar – anders als früher – auch wenn der Ball in der Nähe ist. Ebenso berichtsfreundlich sind Angriffe gegen Spieler in der Luft, die sich dabei verletzen. Und: Bei allen rotwürdigen Aktionen in der letzten Spielminute, etwa wenn bei knappen Spielständen gerne Anspiele oder Freiwürfe verhindert werden, müssen die Referees künftig die Rote mit verhängen.

Der Praxistest steht noch bevor

Was in der Theorie überzeugend wirkt, muss den Praxistest aber erst noch bestehen, denn die Schiedsrichter müssen sofort nach dem Zücken des Roten Kartons Zeitnehmern und Trainern erklären, dass er für dieses oder jenes Foul die Rote mit Bericht gibt. "Das ist verbesserungswürdig, weil ein guter Schiedsrichter dann nach der Roten Karte schon das zweite Mal im Fokus steht, und das will ein guter Schiedsrichter nicht", sagt Lehrwart Baustert. Der Grund für den Spontanrapport: Der DHB habe Informationen bekommen, wonach Schiedsrichter nach Spielen mit Roten Karten, die aber ansonsten emotionslos geführt und klar entschieden wurden, sich in der Kabine von Trainern davon hätten überzeugen lassen, dass das Foul oder die Beleidigung doch so schlimm nicht und daher auch einer Sperre nicht würdig gewesen wäre.